Mehr als nur ein Puppentheater

05.10.2009: Ein Riesen-Geschenk zur Deutschen Einheit

Riese am Kanzleramt

Die Geräusche eines Echolots erfüllen das Hafenbecken am Hauptbahnhof, Tausende sind gekommen, stehen im Nieselregen und blicken erwartungsvoll auf die Spree. Kinder wie auch Erwachsene horchen auf, wenn es so klingt, als bewege sich jemand durch Schlick und Morast. Und endlich, gegen 10:30 Uhr am Samstag Vormittag taucht er auf: der Riese, 15 Meter hoch, Beine und Arme so lang wie die Züge, die gegenüber starten. Die triefnasse und tonnenschwere Marionette wird mit Hilfe eines Schwerlastkrans emporgezogen, kleine Helfer der Compagnie Royal de Luxe hängen sich unermüdlich in die Seile, ziehen und stemmen, klettern und springen. Es scheint, als müssten sich ein Dutzend Menschlein bewegen, damit der Riese einen Fuß vor den anderen setzen kann.

Der Geschichte nach hatten Land- und Meeresungeheuer die Stadt Berlin entzweit und einen Teil mit einer Mauer umschlossen. Der Riese war von seiner kleinen Nichte getrennt worden. Zornig darüber war er ins Wasser gesprungen und lange Zeit durch die Ozeane gestreift, um den schlafenden Geysier zu wecken. Der Geysier schließlich ließ die Erde erbeben und die Mauern einstürzen. Jetzt endlich konnte der Riese die kleine Riesin suchen.

Aber auch Riesen werden einmal müde. Nur langsam geht es voran, der Riese hat sein ganz eigenes Tempo. Zwischenzeitlich setzt er sich hin, bekommt Wasser, schaut sich um. Um ihn herum leuchten die Signallichter der Feuerwehr, Polizisten sperren halb Berlin für den Verkehr ab. Die Straße gehört den Fußgängern. Der Riese wirkt fast ein wenig verwundert darüber, dass so viele Menschen gekommen sind, um ihn auf seiner Suche zu begleiten.

Riesin in der Niederkirchner Straße

Wenige Kilometer weiter läuft die kleine Riesin durch Berlin. Sie hat einen Sack voller Briefe bei sich, die nie zugestellt worden sind. Jetzt endlich sollen sie verteilt werden. Die Riesin trägt ein Kleidchen, ab und zu schleckt sie an ihrem Lutscher. Ihr Augenaufschlag ist entzückend, so dass man sich für einen Moment fragt, ob hier wirklich nur eine Puppe unterwegs ist. In der Niederkirchner Straße, dort wo tatsächlich noch Teile der Mauer erhalten sind, steigt sie in ihr wundersames Boot, bekommt einen Regenmantel und einen Südwester, um ihre Suche wetterfest fortzusetzen.

Das ganze Spektakel rührt die Berlinerinnen und Berliner mehr, als alle Festreden es vermocht hätten. Das Geschenk zum Tag der Deutschen Einheit hätte herzlicher nicht sein können. Denn der Riese findet am Samstag Nachmittag seine kleine Riesin am Brandenburger Tor, vereint und im Freudentaumel findet eine Glücksparade statt. Am Sonntag schließlich spazieren die beiden Riesen zur Moltke-Brücke in Berlin Moabit, steigen in ein Boot und fahren gemeinsam davon.

Zurück bleibt eine Stadt, verzaubert von einer wahren Geschichte, die mit viel Herz, Anmut und Lebensfreude ganz neu erzählt wurde.

www.riesen-in-berlin.de

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