Tiefensee: Debatte über DDR-Geschichte intensivieren

21.08.2009: Minister besucht mit ehemaligen Inhaftierten die Gedenkstätte in Bautzen

Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Wolfgang Tiefensee, hat heute mit ehemaligen Inhaftierten die Gedenkstätte in Bautzen besucht. Im Anschluss diskutierte Tiefensee mit Schülern über die Diktatur und DDR-Geschichte.

"Mit dem Herbst 1989, als die Bevölkerung in der DDR mit Friedensgebeten, Montagsdemonstrationen und der Gründung von oppositionellen Gruppen und Parteien den SED-Staat und die innerdeutsche Grenze stürzte, sind in den Köpfen von uns allen bewegende Bilder verbunden. Dabei dürfen die schrecklichen Seiten der Diktatur auf keinen Fall vergessen oder verdrängt werden. Verschiedene Umfragen belegen, dass immer mehr Menschen die DDR positiv bewerten. Das ist Verklärung der Vergangenheit, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, was hier in Bautzen und anderen Haftanstalten für politische  Gefangene passiert ist", sagte Tiefensee.

Ob diese historische Zeit der DDR-Opposition und der Weg zur deutschen Einheit dauerhaft im Bewusstsein bleiben werden, hänge entscheidend davon ab, inwieweit die jüngere Generation sich mit dem Thema beschäftige.

"Wir brauchen eine öffentliche Debatte über die Bewertung des staatlichen Systems der DDR genauso wie eine differenzierte Sicht und Beurteilung ihrer Gesellschaft und des DDR-Alltags. Gegen Verklärung und Verharmlosung hilft eine ebenso kritische wie fundierte Betrachtung und Analyse der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Es ist wichtig, ein vollständiges Bild der DDR und der Bedingungen einer Diktatur zu zeigen und öffentlich zu diskutieren", so Tiefensee.

In diesem Zusammenhang forderte der Minister erneut eine Überarbeitung der Lehrpläne.

Tiefensee: "Die DDR-Geschichte muss mehr auf den Stundenplan. Wir müssen gewährleisten, dass jeder Schüler, der seinen Abschluss macht, etwas über die deutsch-deutsche Geschichte weiß. Ich habe die Kultusminister in Ost und West angeschrieben. Mein Appell geht an sie, an die Lehrer, aber auch an die Zeitzeugen, sich hier stärker zu engagieren. Schließlich belegen Umfragen immer wieder, dass gerade bei Jugendlichen große Lücken im Wissen über die Geschichte der DDR und die Zeit der friedlichen Revolution bestehen. Auf der anderen Seite erlebe ich in zahlreichen Diskussionen, wie groß das Interesse von Jugendlichen ist. Wenn wir heute und in Zukunft Demokratie und das Gemeinwesen stärken wollen, müssen wir über die Zeit vor 1989 sprechen, die Erfahrungen einer Diktatur einbringen in die Gegenwart. Die Deutung der DDR-Geschichte ist aktueller denn je."

Tiefensee sagte, dass sich bei der Beschäftigung mit der DDR-Geschichte viele Partner anbieten: Bundes- und Landesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit, die Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung, viele Museen und Gedenkstätten wie Bautzen. "Schule und die Einrichtungen der politischen Bildung müssen noch besser vernetzt werden. Die Bundesländer sollten den 20. Jahrestag des Mauerfalls nutzen, um ihre Lehrpläne dahingehend zu überprüfen und zu ergänzen. Denn Fakt ist: Die Deutung der DDR-Geschichte ist eine Zukunftsfrage für unsere Gesellschaft. Das Selbstverständnis unserer Demokratie erlaubt dabei keine "fließenden Grenzen" zur Diktatur. Gegen Verklärung und Verharmlosung hilft eine ebenso kritische wie fundierte Betrachtung und Analyse der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft der DDR. Es ist wichtig, ein vollständiges Bild der DDR unter Einbeziehung alltäglicher Erfahrungen unter den Bedingungen der Diktatur zu zeigen und öf-fentlich zu diskutieren."

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