Tiefensee: DDR-Geschichte muss weiter aufgearbeitet werden

26.06.2009: 57 Prozent der Ostdeutschen sind der Meinung, die DDR hatte mehr gute als schlechte Seiten, und man konnte dort gut leben. Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut EMNID im Auftrag des Beauftragten für die neuen Länder, Bundesminister Wolfgang Tiefensee, gemacht hat. Mehr als 80 Prozent aller Befragten in Ost und West bewerten den Fall der Mauer positiv.

Pressemitteilung Nr. 159/2009

"Es ist erfreulich, dass sich Ost- und Westdeutsche in der Bewertung der Wichtigkeit der Ereignisse von 1989 einig sind. Die Ergebnisse zeigen uns aber auch, dass wir in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte nicht nachlassen dürfen. Die Beurteilung der DDR hat nach meiner Wahrnehmung viel zu tun mit der individuellen Situation der Menschen heute: Verunsicherung, das Gefühl der Zweitklassigkeit, enttäuschte Erwartungen in Bezug auf Arbeit und Einkommen prägen das Bild. Hier müssen wir ansetzen. Wir brauchen einerseits das Wissen über die jüngste deutsch-deutsche Geschichte, andererseits gilt es, weiter an der Vollendung der sozialen Einheit zu arbeiten", sagte Tiefensee.

Die Antworten der 1208 repräsentativ ausgewählten Personen lieferten einen interessanten Beitrag zur aktuellen Demokratie- und DDR-Debatte und zeigten dabei einmal mehr die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit der Gefühlslagen der Deutschen in Ost und West: einerseits eine von allen Deutschen gleichermaßen erstaunlich hohe Wertschätzung und Anerkennung der friedlichen Proteste im Herbst `89 als verbindendes geschichtliches Ereignis unseres Landes (rund 80 Prozent in Ost wie West), andererseits ein verklärtes DDR-Bild der Ostdeutschen mit hohen positiven Werturteilen über den Staat (57 Prozent).

"Wir Ostdeutschen haben einen einzigartigen Erfahrungsschatz, der von unschätzbarem Wert ist, um in unserem Land weiter an einer kraftvollen Demokratie zu bauen, mit selbstbewussten und wachsamen Bürgern", fordert Tiefensee.

Mehr als 80 Prozent der Befragten (Ost und West) sind zudem der Meinung, die Ostdeutschen können stolz sein auf die Überwindung der SED-Herrschaft.

"Das Jahr 2009 steht in besonderer Weise im Zeichen der friedlichen Revolution und der mutigen Proteste und Demonstrationen im Herbst 1989 in der DDR. Vor zwanzig Jahren haben sie den Grundstein für die Demokratie in Ostdeutschland und mit dem Fall der Mauer auch für die Überwindung der Teilung unseres Landes gelegt. Die friedliche Revolution ist somit nicht nur für den Osten Deutschlands, sondern für ganz Deutschland ein bedeutendes historisches Ereignis. Sie stellt einen Höhepunkt im Ringen für Freiheit und Demokratie in der Geschichte unseres Landes dar. Darauf können wir stolz sein", so Tiefensee.

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