Warum erinnern?

02.02.2009: Geschichtsmesse der Stiftung Aufarbeitung diskutiert Mauerfall, deutsche Einheit und das Gedenken daran

Präsentation in Suhl

Hunderte Veranstaltungen, Projekte, Foren und Ausstellungen rufen uns in diesem Jahr die Friedliche Revolution vor 20 Jahren ins Gedächtnis. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatte aus diesem Anlass mit Unterstützung des BMVBS vom 29.-31. Januar zu einer Geschichtsmesse auf den Thüringer Ringberg geladen.

Lehrende, Projektverantwortliche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Länderministerien, Staatskanzleien, Landeszentralen für politische Bildung, Stiftungen, Vereinen und Initiativen waren dieser Einladung nach Suhl gefolgt. Auch die Stiftung Demokratische Jugend stellte auf der Messe das vom BMVBS geförderte Projekt "Reporter ’89" vor. Der Infostand, den Projektmitarbeiterin Katja Hein betreute, war gut besucht. Projektleiterin Jana Kellermann stellte die bisherigen Erfahrungen mit "Reporter '89" darüber hinaus in einem Panel zum Thema "Schul- und Bildungsprojekte" vor.

Die Messe sollte jedoch nicht nur die Vielfalt der Aktivitäten zeigen. In erster Linie bot das Treffen Raum für Diskussionen, kritische Fragen und einen intensiven Austausch über die Frage: "Was - Wie - Wozu Erinnern? Die DDR als Teil der öffentlichen Erinnerungskultur in der Bundesrepublik und ihren Kommunen".

Wenig Resonanz?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Denn vielerorts stellen die Initiatorinnen und Initiatoren von Projekten fest, dass es keine Einigkeit darüber gibt, ob die Menschen 20 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze feiern oder mahnen sollten, ob es weiterhin um Aufarbeitung oder künftig eher um Versöhnung gehen sollte. "Ich sehe viele Bemühungen, die aber auf wenig Resonanz stoßen", stellte beispielsweise Dr. Hinrich Lehmann-Grube, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig a. D., zu Beginn der Geschichtsmesse fest. Gibt es also kein Interesse an der Geschichte?

Doch. Allerdings müsse die Friedliche Revolution zu einem gesamtdeutschen Ereignis gemacht werden - nur so sei ein gemeinsames Erinnern möglich, forderte Rainer Eckert vom Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Er trat vehement dafür ein, das Gedenken nachhaltig zu gestalten - auch für die Zeit nach 2009 und 2010. Das Publikum unterstützte diesen Ansatz: Wenn es jetzt nicht gelingt, die Revolution mit Stolz in die deutsche Wahrnehmung aufzunehmen, dann sei eine große Chance verpasst.

Demokratische Grundfragen

Ausführlich befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deshalb mit den Aspekten der Erinnerung. In Filmen, Projektpräsentationen und Diskussionsrunden sprachen sie darüber, wie vielschichtig die Erinnerung sein kann und wie das Gedenken in das Bewusstsein der jungen Generation kommt.

Marianne Birthler (BStU) mit Jens Hüttmann (Stiftung Aufarbeitung)

Am Ende der Messe fasste Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), zusammen: "Das Jahr steckt voller Lernchancen und voller demokratischer Grundfragen, denen man mit jungen Menschen nachgehen kann". Dabei dürfe man jedoch vor lauter Feiern das Elend der Diktatur nicht aus dem Blick verlieren. Das Jubiläum, bestätigte auch Prof. Hans-Joachim Veen, Vorsitzender der Stiftung Ettersberg, sollte Anlass für einen neuen Anlauf zur Aufarbeitung sein, denn Demokratie lebe vom Begreifen der Diktatur.

Mehr Informationen zum Jubiläum "20 Jahre Friedliche Revolution" gibt es beim Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Länder, Minister Wolfgang Tiefensee unter www.bmvbs.de sowie bei der Stiftung Aufarbeitung: www.stiftung-aufarbeitung.de.
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