Diktatur schwächen, Demokratie stärken

29.07.2009: Ein bewegender Tag im Deutschen Historischen Museum zu Berlin

Minister Tiefensee im Gespräch mit Jugendlichen

Der Innenhof des Deutschen Historischen Museums passt perfekt für eine Veranstaltung wie diese: Rainer Eppelmann weist gleich zu Beginn darauf hin, dass wir Deutsche uns die Schicksalsfrage - Diktatur oder Demokratie - öfter als andere Nationen gestellt haben. Der Ort wird aber nicht nur der Thematik gerecht, sondern auch der Stimmung: Wir begegnen heute 15 Menschen, die die DDR und ihr Ende auf unterschiedlichste Weise miterlebt haben.

Von Nadja Thiel, 16 Jahre alt, Schülerin aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt)

Der Innenhof des Deutschen Historischen Museums passt perfekt für eine Veranstaltung wie diese: Rainer Eppelmann weist gleich zu Beginn darauf hin, dass wir Deutsche uns die Schicksalsfrage - Diktatur oder Demokratie - öfter als andere Nationen gestellt haben. Der Ort wird aber nicht nur der Thematik gerecht, sondern auch der Stimmung: Wir begegnen heute 15 Menschen, die die DDR und ihr Ende auf unterschiedlichste Weise miterlebt haben.

Zugegen sind ein Pfarrer, ein Sänger, ein Mitglied des runden Tisches und mehrere Politiker - sie alle ehemaliger Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler. Auch unser Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee, fehlt nicht.

Was die Schülerinnen und Schüler am meisten interessiert, ist war die Frage nach dem Warum. Warum ist Minister Tiefensee die Aufklärung über das DDR-Geschehen so wichtig? Worin besteht sein Ansporn? "Ein Volk kann viel zu leicht in eine Diktatur gepresst werden - durch Mittel wie Angst", sagt Tiefensee. Und deshalb möchte er, dass jeder einzelne lernt, mit Zivilcourage die Diktatur zu schwächen und die Demokratie zu stärken. Dieser Mut muss sich erst entwickeln, wie damals in der DDR, und dazu möchte er beitragen.

Um die Gefahr zu erkennen, ist einerseits Faktenwissen wichtig, aber auch das Hören beziehungsweise Erzählen von Erlebnissen. Die Thematik muss real dargestellt werden - es muss "Geschichte zum Anfassen" sein. Tiefensee selbst hat auch Erfahrungen mit dem DDR-System gemacht. Ganz ruhig erzählt er den Schülerinnen und Schülern, die heute etwa so alt sind wie er damals, dass er nicht an der Jugendweihe teilnehmen und nicht in die FDJ eintreten wollte, weshalb er nicht für die Oberschule zugelassen werden sollte.

Umwege, um das Richtige zu finden

Doch da er in Musik hochbegabt war, durfte er schließlich doch sein Abitur machen. Dann ist Schluss, für das Studium im sozialistischen Staat wird er nicht zugelassen. Tiefensee bleibt nur eine Lehre, "nicht sehr schlimm" sei das für ihn gewesen, erzählt er lachend, da er auch in der Lehre zum Ingenieur viel dazu gelernt habe. Klar wird aber: Ohne Anpassung keine Karrieremöglichkeiten, Schranken prägen das Leben derjenigen, die dem System nicht bedingungslos folgen.

Der Minister redet von weiteren Einschnitten. Dass er nicht reisen durfte, wohin er wollte, dass er nicht sagen durfte, was er dachte, dass er sich nicht so weiterbilden konnte, wie er wollte und vieles mehr. Für ihn war immer klar, dass nur eine Vereinigung in Frage kam, und nicht die Reformierung der DDR, um diese Missstände zu beseitigen.

Zwischen den Ausflügen in seine eigene Biografie kommt Tiefensee immer wieder auf die heutige Situation seiner jungen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zurück. Er interessiert sich für die Nöte der Jugendlichen, erfährt, dass junge Menschen unter einem größeren Druck arbeiten. Der Konkurrenzkampf ist härter und der Wettbewerb wird immer wichtiger. Heute zählt es, so schnell wie möglich in den Beruf zu gehen und bloß kein Jahr zu verlieren. Das alles findet Wolfgang Tiefensee sehr schade. Er plädiert dafür, auch mal Umwege zu gehen, um dazuzulernen, aber auch, um das Richtige zu finden. Doch leider ist es heute viel schwieriger, als es damals der Fall war - immerhin eine gute Erinnerung an seine Jugend in der DDR, wie der Minister findet, man konnte sich ausprobieren.

Wolfgang Tiefensee

Der diplomierte Ingenieur für Elektrotechnik wird am 4. Januar 1955 in Gera geboren. Tiefensee stammt aus einer katholischen Familie und verweigert u.a. Pionierangehörigkeit sowie den Dienst an der Waffe (Bausoldat). Im Herbst 1989 demonstriert er auf den Straßen von Leipzig mit. Im selbigen Jahr engagierte sich Tiefensee erstmals politisch in der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt, die er am Runden Tisch in Leipzig vertritt. Der Eintritt in die SPD erfolgt 1995. Seit 2005 ist Wolfgang Tiefensee Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder.

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