Oktober 1989

Der 40. Jahrestag der DDR-Gründung wird mit Militärparaden und Aufmärschen gefeiert. Aber hinter der Fassade brodelt es: Seit September waren mehr als 30.000 DDR-Bürger über Ungarn in den Westen gelangt. Zu Hause - in der DDR - setzen 70.000 Leipziger den Ruf "Wir sind das Volk" durch. Auf der 9. Tagung des Zentralkomitees (ZK) der SED wird Erich Honecker "auf eigenen Wunsch" von allen Ämtern entbunden. Egon Krenz wird neuer SED-Generalsekretär. Er räumt ein, dass die SED in den letzten Monaten die reale Lage verkannt habe. Nun sei aber die "Wende eingeleitet". Die Volkskammer wählt Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Damit sind wiederum die höchsten Ämter der DDR in einer Person vereinigt. Die Bilder aus den Botschaften von Prag, Warschau und Budapest gehen um die Welt. Für alle ist offensichtlich - diese Menschen sehen keine Zukunft mehr in ihrer Heimat. Dort bewegt sich jedoch zumindest an der Spitze etwas: Aber haben die Menschen noch Vertrauen in die Reformfähigkeit und den Reformwillen der Partei? Wie schätzen sie Egon Krenz ein?

Foto:  bardewyk.com / www.pixelio.de
"Sie haben nicht erkannt, was draußen los war” - Der Herbst beginnt mit einem Jubiläum: Am 7. Oktober 1989 feiert die Deutsche Demokratische Republik ihren 40. Geburtstag. Damit die Staatsführung das Jubiläum wie gewohnt - also ohne Proteste - begehen kann, sind Staatssicherheit und Volkspolizei im Dauereinsatz. Denn längst ist aus dem ersten zaghaften Widerspruch ein handfester Protest geworden. Das Volk geht auf die Straße, aber nicht um zu feiern.
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