Juni 1989

In Peking richtet das chinesische Militär am 4. Juni ein Blutbad unter Studenten an, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstrieren. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken zwischen 2.500 und 7.000 Menschen. Dem Massaker schließt sich eine umfassende Verfolgungswelle an. In einer Stellungnahme bewertet die DDR-Volkskammer die Ereignisse in Peking als "Niederschlagung einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz des Militärs. In Peking werden Proteste für mehr Demokratie mit brutaler Härte niedergeknüppelt. Während die meisten anderen Staaten schockiert reagieren, solidarisiert sich die Regierung der DDR mit den Machthabern in China.

Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / www.pixelio.de
Die Theorie von der Harmonie - Als im Juni 1989 Meldungen von einem Massaker auf dem Pekinger Tian’anmen, dem "Platz des himmlischen Friedens", an die Öffentlichkeit gelangten, beunruhigte das viele DDR-Oppositionelle. Sie hatten Angst vor ähnlichen Reaktionen des Staates auf ihre Proteste. Das Ehepaar Peters aus einem Vorort von Berlin hat die Meldungen damals differenzierter betrachtet.
Himmelspalast in Peking
"Dann bin ich eben der Feind" - Die Nachrichtenlage ist diffus. Aktuelle Kamera, Neues Deutschland und Junge Welt spiegeln die Welt durch die Brille der SED. Aber selbst wer sich nur in den DDR-Medien informiert, kann sich zumindest zusammenreimen, was 1989 in der Welt geschieht. Es sind die kleinen Meldungen über Ungarn, Gorbatschow und einen Platz in Peking, die von politischem Starrsinn einerseits und allmählicher Veränderung andererseits künden.
Tor des Himmlischen Friedens in Peking
"Was haben die denn für Probleme?" - Der Kaffeetisch ist liebevoll gedeckt, als mich Walter Diesterhaupt auf der Terrasse seines Hauses empfängt. Er trägt legere Shorts und ein kariertes, kurzärmliges Hemd. Die Sonne an diesem späten Augusttag scheint mit voller Kraft. Umringt von einer farbigen Blumenpracht erzählt der Rentner, wie über die sogenannte "chinesische Lösung" in der DDR berichtet wurde und was in den Menschen hierzulande vorging.
Peking: Platz des himmlischen Friedens
Eine Woche Tian'anmen - "Um das Monument im Zentrum des Tian'anmen-Platzes sah man nur aufgeregt schwarze Köpfe herumwuseln", erinnert sich Irmhild Schrader an ihre Zeit in Peking im April 1989. Sie spricht von unzähligen Menschen, die im Protest gegen das kommunistische Regime Chinas den riesigen Platz des Himmlischen Friedens besetzten. Hartnäckig schienen die Demonstranten zu sein - aber vergnügt und friedlich. Doch nicht einmal zwei Monate später kam alles anders: Am 4. Juni 1989 starben 5.000 Menschen, nachdem die Regierung die gewaltsame Räumung des Platzes verordnet hatte; fast 30.000 weitere wurden von den heranrollenden Panzern verletzt.
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