Februar 1989

Selbstschussanlagen, Minen, bewaffnete Grenztruppen der DDR: Wer das Land ohne die Prozedur des Ausreiseantrags und die damit verbundenen Nachteile verlassen wollte, riskierte sein Leben. Wie gingen die Menschen mit diesem Thema um?

Jahrgang: Neues
2009 Neues Alle
Strand bei Kühlungsborn
Beethoven in der Nacht - Die Nachtschicht beginnt an der DDR-Seegrenze. Insgesamt 65 Grenztürme entlang der Ostseeküste suchen mit riesigen Scheinwerfern die Strände ab. Die Grenzsoldaten halten Ausschau nach Flüchtlingen oder Spuren, die diese hinterlassen haben könnten. Und heute werden sie fündig: Am Strand von Kühlungsborn sind Luftmatratzenspuren im Sand zu erkennen.
Grenzsoldat hinter einem Loch in der Mauer
"Über Tote an der Mauer hat man nicht gesprochen" - Ein klarer, kalter Februarmorgen lässt Gerhards Haare zu Berge stehen. Es sind nicht nur die frostigen Temperaturen die den kleinen, stämmigen Rentner frösteln lassen, sondern auch die Geschehnisse der Vergangenheit, die den Mann bis heute zeichnen.
Scheitern, um stark zu werden - Es wird etwas passieren, dessen ist sich Michael sicher. Der 20-Jährige spürt, dass der Staat sich gegen sein eigenes Volk wappnet. Er selbst will als Grundwehrdienstleistender bei der Bereitschaftspolizei kein Teil dieses Gewaltapparates sein - und plant schließlich sogar das Unmögliche: seine Flucht nach West-Berlin. Und obwohl er den Weg in den Westen nicht zu Ende geht, ist er doch nicht gescheitert. Michael findet den Mut, in der DDR zu bleiben und das System zu kritisieren, indem er sich ihm schließlich verweigert.
Foto: Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de
Eine Nacht im Gefängnis für einen Spaziergang - Ich bin bei Käthe L., einer ehemaligen Pfarrerin aus Coswig/Anhalt, zu Besuch. Wir kennen uns schon seit Längerem, denn ihr Sohn ist mein Patenonkel. Nach der Begrüßung setzen wir uns in Käthes Wohnzimmer. Sie macht es sich in einem Sessel bequem und ich auf der Couch. Im Hintergrund tickt die große Standuhr.
Foto: andi-h (www.pixelio.de)
Wenn Menschen auf Befehl zum Mörder werden - Ein Blick aus dem Fenster des Cafés und es wird klar: Das Wetter passt zu meinem Interview-Thema. Die Straßen sind in ein tristes Grau getaucht. Es regnet. Eigentlich ein Wetter, bei dem man sich am liebsten wieder unter die warme Decke kuschelt und DVDs ansieht.
Foto: Kellermann
An der Grenze zwischen zwei Hälften der Welt - "Warum tut man so etwas? Welche schrecklichen Dinge müssen diesen Menschen passiert sein, dass sie sich dem hohen Risiko aussetzen und über die Mauer fliehen?”, fragen sich Werner und Susanne Tast, wenn sie an die Leute denken, die an der Berliner Mauer tödlich verunglückt sind.
Foto: mad-max / pixelio.de
An der Grenze der Menschlichkeit - Hildburghausen, 1969. Konrad Lehmann kauert im Schnee und lauscht in die Stille. Diensthund Max schmiegt sich an seine Beine, spendet Trost. Das Gewehr fest umklammert, wartet der junge Soldat auf ein Geräusch, eine Bewegung. Was, wenn tatsächlich jemand kommt? Starr vor Angst schließt er die Augen, denkt sich an einen anderen Ort. Auch heute ist seine Angst noch deutlich spürbar. 40 Jahre sind vergangen, seit er seinen Wehrdienst an der innerdeutschen Grenze verrichten musste.
Foto: Zaubervogel / pixelio.de
"Sie waren niemals allein" - In den Fenstern spiegelt sich das Kerzenlicht, das sich durch den gleichmäßigen Atem langsam hin und her wiegt. Ullrich Dombrowskis Augen weiten sich bei jedem seiner Worte. Er sucht nach Erinnerungen - mitbekommen hat er in der DDR viel. Passiert ist ihm selbst zum Glück nie etwas.
Foto: Dietmar Lehmann / pixelio.de
Geeint im geteilten Land - "Jeder spürte: Bald würde eine Veränderung kommen. Es lag so viel in der Luft. Und dann so eine Nachricht..." Jutta Jaworski wirkt durcheinander, wenn sie an den Tod von Chris Gueffroy zurückdenkt. "Ich fragte mich: Nimmt der Wahnsinn denn kein Ende?"
Foto: manni66 / pixelio.de
Grenzer auf Zeit - Im Leben meines Onkels verläuft alles so, wie er es will, und er kann selbst bestimmen, was er beruflich und privat machen möchte. Doch das war nicht immer so. Den Wehrdienst konnte er nicht verweigern - was wäre sonst aus seinen Träumen geworden?
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